Vereinschronik (1877-1926)

Diese Chronik wurde von Hagen Wohleben 1977 zur 100-Jahrfeier geschrieben und zum 125-jährigen Jubiläum 2002 von Gertraud Kreutzer erweitert und als Festschrift veröffentlicht.

2019 wurde diese Chronik digitalisiert und mit weiteren Bildern und Links zu anderen Webseiten ergänzt.

Fortsetzung

  1. Vereinschronik (1877-1926)
  2. Vereinschronik (1927-1976) ‎
  3. Vereinschronik (1977-2002) – 100 Jahre TV 1877

Vorgeschichte

Seit der Eröffnung des ersten Turnplatzes im Jahre 1811 in der Hasenheide bei Berlin durch den am 11. August 1778 in Lanz bei Lenzen geborenen Friedrich Ludwig Jahn ließ sich das Turnen trotz Verbotes und Turnsperre nicht mehr aufhalten. In allen größeren Städten der in 35 Staaten zersplitterten deutschen Lande gründeten sich Turnvereine. Turnvater Jahn konnte noch bevor er am 15.10.1852 in Freyburg a.d. Unstrut starb, schreiben:

„Das Turnen, aus kleiner Quelle entsprungen, wallt jetzt als freudiger Strom durch Deutschlands Gaue. Es wird künftig ein verbindender See werden, ein gewaltiges Meer, was schirmend die heilige Grenzmark umwogt“.

Aber erst vom 16. – 19. Juni 1860 trafen sich 1000 deutsche Turner im freisinnigen Coburg zum 1. Deutschen Turnfest und gründeten die „Deutsche Turnerschaft“ unter der Schirmherrschaft von Herzog Ernst. Gewissermaßen als Parallele nahm in dieser Zeit von derselben Stelle aus auch die deutsche Sängerbewegung ihren Anfang. Von nun an wurden überall in kleineren Orten Turnvereine gegründet. So entstand auch in Lauf a. d. Pegnitz am

29. September 1861 erstmals ein Turnverein.

Sein Vorsitzender war der Schneidermeister Ferdinand Beyer. Am 7. Juni 1863 wurde die erste Turnerfahne geweiht; Fräulein Klein hatte sie gestickt. Diese Fahne befindet sich noch im Besitz der Freiwilligen Feuerwehr Lauf, denn der erste Turnverein übernahm 1862 unter anderem freiwillig die Brandbekämpfung. Der Feuerwehrdienst überschattete bald das Turnen. Barren und Pferd standen ungenutzt im Feuerwehr-Steigerhaus, das sich an der Ostecke der Einmündung Eschenauer Straße in die Nürnberger Straße befand. Vielleicht war aber auch die Hinwendung zum überwiegenden Feuerwehrdienst eine Art Flucht in ein besseres Image. War doch die Laufer Bürgerschaft auf den neuen Turnverein nicht besonders gut zu sprechen. Äußerungen wie: „Da kummas, die Turnerlasboubn, – doi Laffer Springgingeria,“ sind überliefert…

Gründung

An einem Sonntag im Jahre 1877 geht der Eisenbahnaspirant Paul Schmidt, Sohn des Kunstmühlenbesitzers Konrad Schmidt, von der Heuchlinger Kirchweih nach Hause. Auf diesem Heimweg macht er seinen Freunden den imposanten Vorschlag, einen Turnverein zu gründen. In der Wirtschaft Konrad Körber, Johannisstr.16, wird lange und gründlich beraten. Am 31. Oktober kommt es endlich zur Gründungsversammlung in der Gaststätte Albert Eckert, Siebenkeesstraße 5.

Der erste Vereinsname wird

„TURNVEREIN LAUF“.

Eine Satzung wird nach dem Muster des TV 1861 Lauf und des TV Schwabach zusammengestellt. Als Winterturnplatz dient die Kegelbahn des Büttnermeisters Michael Hieronimus, Sommerturnplatz wird der Garten des Gastwirts Albert Eckert, Siebenkeesstraße. Die Aufnahmegebühr beträgt 1 Mark, der monatliche Beitrag 20 Pfennige.

Die Wahlen:

Vorstand
Friedrich Lichtscheidel, Schneidermeister
Turnwart
Hans Dreykorn, Spezereihändler
Schriftführer
Paul Schmidt, Bahnaspirant
Säckelwart
Christof Dietel, Flaschnermeister
Zeugwart
Michael Hieronimus, Büttner und Brauer
Beisitzer
Konrad Back, Mehlreisender
Albert Eckert, Brauer
Ersatzleute
Paul Hagen, Kaufmann
Karl Stübel, Wagnermeister

Die Aufnahme in den Bayerischen Turnerbund wird beschlossen.

Der Verein zählt jetzt 20 Mitglieder.
Ein erstes Tanzkränzchen im Gasthof „Zum schwarzen Bären“ mit Gästen des Patenvereins 1846 Nürnberg findet statt. Für die Mitglieder bis zum 25. Lebensjahr wird Turnzwang eingeführt. Anläßlich der Teilnahme am 5. Deutschen Turnfest in Frankfurt/Main entschließt man sich zur Anschaffung einer rot-weißen Fahne mit den vier „F“ = frisch, fromm, fröhlich, frei.

Der Verein stellt eine Musterriege zur Turnhalleneinweihung in Weißenburg/Bay. Johann Schwab wird als Vereinsdiener eingestellt; sein jährliches Entgelt beträgt 12 Mark. Die wichtigste Anschaffung ist eine Jahnbüste. Mitglieder und Zöglinge gestalten ein Schauturnen zum 100. Geburtstag von Friedrich Ludwig Jahn. Am Ende des Jahres zählt der Verein 71 Mitglieder.

1879

Zum Turnerball lädt man in den Gasthof „Zum wilden Mann“ ein. Turnstunden sind mittwochs und samstags; Zöglinge turnen montags und mittwochs. Vorturnstunde ist jeden Freitag. Ein Schauturnen mit Tanzkränzchen geht im „Weißen Roß“ bei Turnbruder Weikmann über die Bühne.
Die Anschaffung einer Fahne wird beschlossen. Alle Mitglieder sind aufgerufen zu spenden. Den Grundstock von 50 Mark spendet Arthur Kolb. Die Christbaumverlosung bei Gastwirt Lehr, später Simon, bringt weitere Mittel in die Fahnenkasse. Erstmals muss ein Gründungsmitglied, Ludwig Probst, zu Grabe getragen werden. Der Entwurf für die Vereinsfahne wird gutgeheißen; er stammt vom Ehrenmitglied Christof Bankel, Nürnberg. Die Bestellung der Fahne erfolgt bei der Bonner Fahnenfabrik zum Preis von 326,26 Mark. Am 10. Juni soll die Fahne fertig sein. Der Festtermin der Fahnenweihe ist bereits auf 12. – 14. Juni festgelegt. Ausschüsse werden gebildet, das Programm festgelegt. An die Vereine aus Lauf und Umgebung ergehen Einladungen.

1880

Alles ist bestens vorbereitet. Am 23.05. trifft die Fahne ein. Als man sie voller Erwartung auspackt, verschlägt es den Anwesenden die Sprache. Die Fahne entspricht in keiner Weise den Vorstellungen und dem abgeschlossenen Vertrag. Statt gestickt, ist sie gemalt, schlecht ausgeführt, die Farben ineinander verflossen und verschwommen. Jetzt heißt es schnell handeln. Das Telegramm an die Bonner Fahnenfabrik: „Gesandte Fahne kontraktwidrig; haben gestickte, nicht gemalte Fahne bestellt; steht zur Verfügung; Brief folgt.“
Die Einladungen werden rückgängig gemacht; das Fahnenweihefest mit allen Konsequenzen abgesagt.
An der Frage und Suche nach Schuldigen droht die Einigkeit der Turner, ja der ganze Verein zu zerbrechen. Schadenfreude und Mitleid greifen nebeneinander um sich, wie zu allen Zeiten. Am vorgesehenen Hauptfesttag (13.6.) regnet es in Strömen. Stille herrscht in der Stadt …
Am 30.6. erklärt der Gründer des Vereins, der sich für den Reinfall mit der Fahne verantwortlich fühlt, seinen Austritt aus dem Turnrat.
Als Winterturnplatz wird von der Stadt der Mangstadel gemietet.

1881

Die Beschaffung einer Fahne bleibt auf der Tagesordnung. In der Taubstummenanstalt Kloster Zell bei Greding findet man einen neuen Partner für die Fahne nach Wunsch und Termin (01.08.) für 200 Mark.
Die Festtage werden auf den 7. und 8. August festgelegt. Zum Fahnenjunker wird Paul Zahn gewählt. Der Ablauf des Festprogramms auf dem Kunigundenberg mit Festzug erfordert neue Vorbereitungen. Am 30.7. trifft die Fahne ein. Sie ist den Wünschen und Entwürfen entsprechend sauber angefertigt. Die ganze Einwohnerschaft legt mit Hand an. um die Stadt zu schmücken.

1882

Nachdem der bisherige Sommerturnplatz gekündigt ist, wird auf Ansuchen von der Stadt die „Bleiche“ neben dem Heldenweiher zur Verfügung gestellt und mit einem Anturnen eingeweiht.
Am Bayerischen Turnfest in Bamberg beteiligen sich sechs Turner. Am Jahresschluss zählt der Verein: 1 Ehrenmitglied und 60 Mitglieder.

1883

Beim Preisturnen am 20.05. gibt es viele Diplome.
Von der 1. Riege erhält Paul Hagen den ersten, Hans Trummert den zweiten und Schlossermeister Hans Bankel den dritten Preis. In der zweiten Riege werden Hans Schramm der erste, Hans Mosel der zweite, Hans Keilhack der dritte Sieger. Mit 15 Turnern fährt der Verein zum Bezirksturnfest nach Fürth und später mit 25 Personen zur Fahnenweihe nach Steinbühl.

1884

Gerichtsvollzieher Leonhard Singer wird zum Vorstand gewählt. Mit einem Grundstock von 20 Mark wird eine „Turnhallenbaukasse“ eingerichtet. Trotz Anschaffung eines Turnpferdes für 134,50 Mark hat die Turnhallenbaukasse am Jahresende einen Stand von 139,57 Mark.

1885

Vier Turner besuchen das Deutsche Turnfest in Dresden.

1886

Der Monatsbeitrag muss auf 30 Pfennig erhöht werden. Eine Männerriege wird gegründet. Abordnungen des Vereins beteiligen sich am Bayerischen Kreisturnfest in Augsburg, an der Turnhalleneinweihung in Hersbruck und an der Fahnenweihe des hiesigen Soldaten- und Schützenvereins.

1887

Das Anturnen findet auf dem Kunigundenberg statt. Eine Glücksbude wird aufgebaut. Das 10-jährige Stiftungsfest im geschmückten Krön-Saal begeht man in schlichter Form.

Gesellige Veranstaltungen, ein Maskenball und Turnfahrten gehören ins Jahresprogramm. Dabei erzielte Überschüsse fließen in die Turnhallenbaukasse.

Besuch des Gauturnfestes in Neumarkt und Fahnenweihe beim TV St. Johannis.

1888

Zur Aufbesserung der Turnhallenbaukasse werden Theaterstücke eingeübt und aufgeführt.
Am 2.07. verstirbt Schriftwart Arthur Kolb.
Der Schmidt’sche Stadel, Nürnberger Straße gegenüber dem Schulhaus könnte für 3.000 Mark gekauft werden. Das Geschäft kommt aber nicht zustande.
Das Barvermögen beträgt am Jahresschluss 1270 Mark.
Der langjährige Vorsitzende Friedrich Lichtscheidel verstirbt am 25. Juni.

1889

Gesellige Initiativen werden groß geschrieben. Ein öffentlicher Faschingszug bewegt sich zum Gasthof „Weißes Roß“.
Zwei Theaterabende werden veranstaltet. Eine Glücksbude bringt Erfolg. Die Zöglinge der 1. Riege werden trotz ihrer Austrittsdrohung nicht zum festlichen Ball zugelassen.
Am Deutschen Turnfest in München beteiligt sich der Verein mit einer stattlichen Besuchergruppe. Im Schulhaus Giesing ist man gut untergebracht und trinkt im „Stubenvollkeller“ die erste Maß Münchner Bier zum Preis von 30 Pfennigen!

1890

Acht Teilnehmer besuchen das Bayerische Turnfest in Würzburg. Die Baukasse ist auf einen Bestand von 2.300 Mark angewachsen. Das zum Verkauf stehende Riedner’sche Garten-Anwesen, auf dem heute die katholische Kirche steht, wird der Hauptversammlung zum Kauf vorgeschlagen. Man kommt aber zu keinem positiven Entschluss. Am 9. November stirbt Johann Dreykorn.

1891

In diesem Jahr muss der Sommerturnplatz auf der „Bleiche“ geräumt werden. Das Verlangen nach einem „eigenen Heim“ stellt sich nun wieder dringender. Verschiedene Pläne werden gefasst und wieder verworfen.

1892

Aktive Beteiligung am 50-jährigen Jubiläum des Gesangvereins – auch der Herbstball mit 15 -jährigem Stiftungsfest wird ein Erfolg.
Die Turnhallenbaukasse hat den Bestand von 3.460 Mark.
Der Mitgliederstand: 1 Ehrenmitglied, 77 Mitglieder, 21 Zöglinge.

1893

Ein eisernes Reck bildet die größte Anschaffung dieses Jahres. 88 Mitglieder sind nunmehr beigetreten.

1894

Vorstand Singer wird Ehrenmitglied. Den Vorsitz übernimmt Hans Dreykorn. Am 6. April verstirbt Albert Eckert. An seine Stelle wird Georg Wagner in den Turnrat berufen. Wilhelm Barth übernimmt die Führung der Baukasse. Das Angebot „Daumer’sche Gießerei mit Garten“ zu erwerben wird geprüft und das Anwesen besichtigt.

1895

In der Generalversammlung wird der „Obere Sauweiher“ als Platz für den Bau einer Turnhalle empfohlen. Erneut kommt es zu keinem Abschluss. Das Anturnen findet diesmal am Schützenkeller statt.

1896

Christof Döring wird neuer Vorstand.
Beim Registergericht meldet man eine neue Satzung an. Das Pegnitzgau-Turnfest wird auf dem Kunigundenberg durchgeführt. 132 Mitglieder sind inzwischen gewonnen.

1897

Bei herrlichem Wetter gibt es viel Interesse beim „Anturnen“ am Schützenkeller. 16 Teilnehmer vertreten den TV beim 10. Bayerischen Turnfest in Ansbach. Die Baukasse weist 9.531 Mark auf. Der Mitgliederstand ist mit 133 fast unverändert.

1898

Das Schauturnen und der Varieté-Abend im neuerbauten Saal Strebel & Wagner wird ein voller Erfolg.
Fünf Teilnehmer sind zum Deutschen Turnfest in Hamburg gemeldet. 148 Mitglieder zählt der Verein.

1899

Wegen geschäftlicher Überbelastung legt Christof Döring den Vorsitz nieder. Leonhard Singer wird als Nachfolger gewählt.
In der Generalversammlung beschließt man einstimmig der Ankauf des „Daumer’schen Anwesens“ für 23.000 Mark. Endlich hat der Verein ein Heim. Ein Bauausschuss wird gebildet. Alles will helfen.

Hauptartikel: Von der Turnstraße in den Haberloh‎

Am 15. und 16.7. ist Lauf Austragungsort des Pegnitzgau-Turnfestes. Ein Festzug bewegt sich durch die geschmückte Stadt. Drei Theateraufführungen locken zahlreiche Besucher an. 185 Mitglieder sind angemeldet.

1900

Ein arbeitsreiches Jahr: In der eigenen Turnhalle kann das erste Schauturnen abgehalten werden. Man beteiligt sich am 15. Mittelfränkischen Bundesschießen. Das neue Vereinszeichen – nach einem Entwurf von Otto Siebenkees – wird eingeführt.

Wie rührig aber für die Turnhallenbaukasse weiter gearbeitet und gespart wurde, das beweist ein Jahresbericht von 1900. Da heißt es: Zur Stärkung unserer Bau¬fondkasse gab man 3 Theater. „s’Nullerl“ mit 40.00 Mark Reingewinn. „Reif Reiflingen“ mit 144.00 Mark und „d’Zwiederwurzn“ mit 154.00 Mark. Man möchte doch die Schulden, die durch den Turnhallenbau entstanden sind, bald wieder los sein. Mit Riesenschritten ging es aufwärts.

1901

Einladung zum Familienabend 1901

Aus Gesundheitsgründen legt L. Singer den Vorsitz nieder. Ernst Geiler wird zum Nachfolger gewählt.
An der Instandsetzung der Turnhalle wird weitergearbeitet.
10 Teilnehmer reisen zum 11. Bayerischen Landesturnfest nach Landshut.
Ein weiterer eiserner Barren kann angeschafft werden.

1902

„Forther Stein“ – Bild vom Ehrungsabend 2011

Es wird über den Plan zum endgültigen Ausbau der Turnhalle beraten. Erstmals kann das Anturnen im eigenen Turngarten stattfinden.

Anläßlich eines Nachtturngangs in Förth wird der „Forther Stein“ als Sammelbüchse für den Turnhallenbau ins Leben gerufen.

Das 25-jährige Stiftungsfest wird in einfacher Form im „Heilmanns-Saal“ (Gewerkschaftshaus) durchgeführt.

Ein erster Zuschuss aus der Distriktskasse von 30 Mark geht ein.

1903

Die Bauarbeiten an der Turnhalle durch Maurermeister Christian Schätz gehen für 8.263 Mark weiter.

Am 23.01. wird der verstorbene langjährige Vorstand L. Singer, Gerichtsvollzieher, zu Grabe getragen.

Beim 40-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr ist der TV stark vertreten. Aus der Stiftungskasse erhält der Verein für die Errichtung von Turnstätten 500 Mark, vom Distrikt 30 Mark und von der Stadt 50 Mark. Neuester Mitgliederstand: 181 Mitglieder, 41 Zöglinge.

1904

Einladung zum Familienabend 1904

Das Anturnen wird erstmals mit einem Fünf-Kampf verbunden. Albert Prottengeier stiftet eine Uhr für die Turnhalle.

Am 29.12. wird beschlossen, das Damenturnen im Verein einzuführen. Dadurch zählen nun auch 18 Damen zu den Vereinsmitgliedern.

1905

16 Teilnehmer vertreten die Vereinsfarben beim 12. Bayerischen Turnfest in Kempten.

1906

Die Turner Konrad Prottengeier, Hans Dreykorn, Valentin Schmidt, Paul Ritz und Leonhard Burkhard erringen beachtliche Preise bei verschiedenen Wettturnkämpfen. Zahlreiche Beteiligung am 60. Stiftungsfest des Patenvereins 1846 Nürnberg ist zu verzeichnen.

Der „Forther Stein“ wird erstmals geöffnet und enthält 150 Mark!

1907

Das 30. Stiftungsfest am 15.09. wird im größeren Rahmen geplant. Es fällt aber buchstäblich ins Wasser.

Durch einen Beschluss des Gemeindekollegiums wird die …straße in Turnstraße umbenannt.

Ein Pferd wird angeschafft.

196 Mitglieder, 20 Zöglinge, 19 Damen und 30 Schüler zählen nun zum Verein.

1908

Bei der Fahnenweihe des TV Förth übernimmt der Verein die Patenschaft. Aus familiären Gründen legt der Vorstand Ernst Geißler sein Amt nieder. Turnwart Reitenspieß führt die Geschäfte bis zur Neuwahl. Säckelwart Wilhelm Barth wird zum Ehrenmitglied ernannt.

Anläßlich der Hochzeit von Alice Weigmann erhält der Verein eine Spende von 200 Mark. Am Deutschen Turnfest in Frankfurt/Main nehmen 28 Mitglieder teil.

1909

Georg Wagner wird Vorstand. Fritz Fischer löst Otto Siebenkees als Schriftwart ab. Erstmals wird ein zweiter Turnwart gewählt. Die Wahl fällt auf Hans Dreykorn. Bei unserem Anturnen in Lauf nehmen der TV Förth sowie Schnaittach und Rückers­dorf teil.

Der Verein beteiligt sich am Gauturnfest in Burgfarrnbach, dem Stiftungsfest in Rückersdorf, dem Waldfest des MTV Mögeldorf, dem Wettturnen in Feucht und am 2. Staffelbergfest, bei dem Konrad Prottengeier, Paul Ritz, Albert Stübel, Georg Simon und Hans Dreykorn Preise erringen. Eine Große Delegation aus Lauf ist beim 13. Bayerischen Turnfest in Ingolstadt dabei. Zwei Turner fahren mit dem Fahrrad nach Ingolstadt.

Neuer Mitgliederstand des Vereins:

2 Ehrenmitglieder. 234 Mitglieder, 20 Damen, 20 Zöglinge, 48 Schüler.

1910

Die im Vorjahr genannten Turner erringen Preise in Stadtamhof, Neumarkt, Erlangen und Laufamholz.
36 Teilnehmer sind beim Bezirksturnfest in Weißenburg vertreten.
Im Oktober wird der ca. 14.000m² große Spielplatz am Ottensooser Weg erworben.
Dies ist ein wichtiges Ereignis für den Verein.

1911

Gründungsmitglied und langjähriger Säckelwart Christof Dietel verstirbt am 13.06. Er war schon Mitglied des TV 1861.
Der Verein übernimmt die Patenschaft bei der Fahnenweihe des TV Schnaittach. Auf dem neuen Spielplatz werden zwei Bretterhallen aufgestellt; die Bretter werden für 50 Mark (ursprünglich Baumaterial Schlachthof) erworben. Eine Halle brennt noch im gleichen Jahr aus ungeklärter Ursache nieder.

1912

Am 23. Juni 1912 war ein besonderer Tag für die 77er. Bei herrlichstem Wetter und zahlreicher Beteiligung der Laufer Einwohnerschaft, fand das Anturnen mit Spielplatzeinweihung am Ottensooser Weg statt. Ein langersehnter Wunsch unserer Leichtathleten. Konrad Zimmermann nimmt mit seinen sechs Söhnen teil.
Der Besuch des 14. Bayerischen Turnfestes in Würzburg folgt.
Georg Bäumler und Johann Keilhack werden zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Am 26.04. verstirbt das Gründungsmitglied Hermann Endres.

1913

Zur Jahrhundertfeier der „Völkerschlacht bei Leipzig“ veranstaltet die Deutsche Turnerschaft einen Eilbotenlauf (Staffellauf).
Am Lauf von der Befreiungshalle in Kelheim über Regensburg, Nürnberg nach Hof am 17.10., beteiligt sich der Verein mit 14 Turnern, die die Strecke von Weidensees nach Bronn besetzen. Fabrikant Hugo Dietz fährt die Turner mit seinem Wagen persönlich und kostenlos zum Austragungsort. Der Verein begeht am 18.10. die Feier mit einem Fackelzug zum Kunigundenberg.
Bezirkstierarzt Carl Hochstein hält die Festrede.
25 Mitglieder nehmen am Deutschen Turnfest in Leipzig teil.
Am 14. April verstirbt das Gründungsmitglied Konrad Back.

1914

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges folgen 104 Mitglieder dem Aufruf des Kaisers; 80 kommen sofort an die Front. Freudig und voller Begeisterung ziehen sie in den Krieg! Weder wissen noch ahnen die Turner, was auf sie wartet. Karl Hutter und Karl Salm sind die ersten Gefallenen.

1915

Das Gauturnfest findet in Roth statt.
Eine Jugendwehrabteilung wird ins Leben gerufen. Am ersten Übungsmarsch dieser Abteilung beteiligt sich der ganze Verein. Eine Felddienstübung zwischen Beerbach und Tauchersreuth mit anschließendem Gulaschessen aus der Feldküche gestaltet sich zum Höhepunkt.
Seit der Beschaffung des Spielplatzes am Ottensooser Weg regt sich – als Zeichen der Zeit – ein gewisser Spielbetrieb. Ballspiele werden modern und beliebt. Immer mehr fangen an, Fußball zu spielen. Es gibt eine erste junge Fußballmannschaft, Spielwart ist Otto Siebenkees.
Vergnügungen und Festlichkeiten finden in diesem Jahr nicht statt.

1916

Die „Damenriege“ spielt drei Einakter. Der Erlös wird zu Gunsten erblindeter Kriegsteilnehmer gespendet.

1917

Am 17.07. verstirbt Georg Wagner. Die Leitung des Vereins übernimmt bis zur Neuwahl Turnwart Lichtscheidel.

1918

Zu beklagen ist der Tod des Gründungsmitglieds Michael Hieronimus.
Es gibt Erfolge beim mittelfränkischen Turn- und Spieltag in Erlenstegen.
4 Ehrenmitglieder, 270 Mitglieder, 15 Damen, 6 Zöglinge und 22 Schüler zählt der Verein am Jahresende.

1919

Einladung zum Theater
„s‘ Liserl vom Schliersee“,1919

Die Verantwortlichen des Vereins im ersten Nachkriegsjahr 1919:

Vorstand
Georg Lichtscheidel
1. Turnwart
Chr. Reitenspieß
2. Turnwart
Georg Eyrich
Schriftwart
Georg Bumler
Säckelwart
Wilhelm Barth
Zeugwart
Georg Zimmermann

Für seine heimgekehrten Kriegsteilnehmer veranstaltet der Verein einen Begrüßungsabend. 30 Mitglieder sind gefallen.

Es wird über mäßigen Turnstundenbesuch geklagt. Säckelwart und Schriftwart legen ihre Ämter nieder.

1920

Albert Stübel wird Turnwart, Chr. Reitenspieß Schriftwart und Fritz Fischer Säckelwart.

Die Stadt bittet um Überlassung der Turnhalle für den Schul-Turnunterricht.

Am 12. Dezember wird in einer erhebenden Feier die Gedenktafel für die gefallenen Mitglieder in der Turnhalle enthüllt.
(Dieses Erinnerungsstück wurde beim Abbruch der alten Halle geborgen und hängt jetzt im Foyer der neuen Halle.)
Der Entwurf stammt von Bildhauer Fritz Ludwig Mayer, die Schrift von Otto Siebenkees. Die Kosten belaufen sich auf 1.260 Mark, die durch Spenden aufgebracht werden können.
Die Geldentwertung nimmt ihren Anfang. Der Monatsbeitrag muss auf eine Mark angehoben werden.

1921

Heinrich Brinke wird 2. Turnwart.
Für die Turnhallenbaukasse sammelt man mit großem Eifer. Der Plan zum Umbau ist schon lange geboren.
Am 6.05. nimmt das Schulturnen seinen Anfang.
Neue Vereinsabzeichen angeschafft. Der Entwurf stammt von Otto Siebenkees. Während der Turnratssitzung am 26. 7. um 22.30 Uhr gibt es Feueralam. Die Umkleidehalle auf dem Spielplatz steht in Flammen. Die Brandursache bleibt ungeklärt. Es entsteht großer Schaden.
Der Verein bittet um Spenden bei der Bevölkerung und in der Bayerischen Turnzeitung.
Ein kleiner Verein, der TSV Biessenhofen im Allgäu schickt als einziger 35 Mark! Das Bezirksturnfest richtet die Stadt Schwabach aus. Ein Jubiläumsturnen folgt in Burgfarrnbach. Erstmals nehmen Mitglieder am Schwimmfest des TV Röthenbach teil.
Sein 75-jähriges Jubiläum feiert der Patenverein 1846 Nürnberg. Überall herrscht rege Beteiligung aus den Reihen des Vereins. Unsere Turner bringen schöne Preise nach Hause.
Als Fußball-Schiedsrichter für die Untergruppe Pegnitzgrund werden vom Verein Otto Siebenkees, Hans Katheder, Hans Körner, Hans Nürnberger und Ludwig Zimmermann entsandt.

1922

Der Wiederaufbau der Umkleidehalle am Spielplatz kostet 36.792,50 Mark. Der Plan stammt von Stadtbaumeister Windisch; er fertigt ihn unentgeltlich an. Die Maurerarbeiten führt Paul Kappelmeier aus. Eine Spende von 2.000 Mark gibt Frau R. C. Weigmann.

Albert Stübel wird nach Regensburg versetzt. Seine Stelle als Turnwart übernimmt Georg Eyrich.

Zur Teilnahme am 15. Bayerischen Kreisturnfest in Augsburg fahren 52 Turner (Musterriege).

Das Gauturnfest findet in Schnaittach statt, das Gruppenturnfest in Rückersdorf. 56 Teilnehmer kommen mit dem Eichenlaub-Siegerkranz zurück. Der Verein erhält 500 Mark als Zuschuss des Kreises. Für die Hallenmiete zahlt die Stadt 4.000 Mark. Der Monatsbeitrag muss auf 25 Mark erhöht werden.

1923

Oberturnwart
Chr. Reitenspieß
Erster Turnwart
Georg Vitzthum
Zweiter Turnwart
Georg Eyrich
Schriftwart
Ernst Geißler

Neue Beitragsfestsetzung:

Turnerinnen zahlen 40 Mark
Schüler 15 Mark.

Die Inflation greift um sich.

Die Familie Weißhäupl wandert nach Amerika aus und wird verabschiedet.

88 Teilnehmer besuchen das 13. Deutsche Turnfest in München. Sie müssen einen Festbeitrag von 800 Mark entrichten.

Die Musik zum Schauturnen kostet 100.000 Mark.

Eintrittsgeld zum Tanzvergnügen: 1000 Mark; Damen 500 Mark.

Mitgliedsbeiträge während des Jahres:

Ab 1. April monatlich 100 Mark
Ab 1. Juli vierteljährlich 2.000 Mark
Aufnahmegebühr 3.000 Mark

Später ist der Monatsbeitrag auf 3 Milliarden festgesetzt, dann auf 10 Milliarden Mark.

Im November beträgt der Beitrag schließlich 750 Milliarden Mark. Die Abrechnung am „Bunten Abend“ lautet:

Einnahmen 130.130.750.000,00 Mark
Ausgaben 59.180.000.000.00 Mark
Reingewinn 70.950.750.000,00 Mark

(in Worten Siebzig Milliarden, neunhundertfünfzig Millionen, siebenhundertfünfzigtausend Mark).

Der Reichtum dauert nicht lange. Über Nacht ist der Inflationsspuk zu Ende. Man spricht vom „armen Volk“ – viele werden zum Bettler. Ein Zehnmilliarden-Schein gilt fortan noch einen Kupferpfennig.

Im Dezember einigt man sich auf einen Monatsbeitrag von 20 Goldpfennigen. Christof Döring schenkt dem Verein die 2. Hypothek von 10.000,— Mark, die auf der Turnhalle lastet.

1924

Am Anfang des schicksalhaften Jahres steht Georg Lichtscheidel an der Spitze des Verein.

Oberturnwart
Christian Reitenspieß
1. Turnwart
Hans Oettner
2. Turnwart
Erhard Banke
Säckelwart
Fritz Fischer
Schriftwart
Fritz Bankel
Zeugwart
Georg Zimmermann
Frauenturnwart
Georg Eyrich
Jugendturnwart
Hans Nürnberger

Der Verein führt 325 Mitglieder, 33 Turnerinnen, 25 Zöglinge und 48 Schüler.

Die Deutsche Turnerschaft beschließt die Trennung von Turnen und Sport.

Der Verein stellt sich hinter diesen Beschluss und löst seine Fußball-Abteilung auf.

Ein Teil der Angehörigen dieser Abteilung wechselt zum Sportklub Lauf über. Andere Sportler halten dem Verein die Treue und spielen von nun an Handball (siehe Abteilungs-Chronik).

Schwimmwart wird Hans Beck
Leichtathletikwart Leonhard Engelhardt

Schwerathletikwart Hans Wegner

Der Verein beschließt eine neue Satzung und nennt sich fortan

„Turnverein 1877 Laufe. V.“

Die Firma Geißler stiftet alljährlich vier Siegerkränze, weshalb man als Dank ein „Ernst-Geißler-Gedächtnisturnen“ beschließt, das mit dem Anturnen veranstaltet wird.

Der Umbau der Turnhalle kommt wieder ins Gespräch.

Der Bankvorstand Ernst Arnold wird zum 2.Vorsitzenden gewählt.

Die Turnwarte Oettner und Bankel legen ihr Amt nieder.

An ihre Stelle treten Georg Eyrich als 1. und Heinrich Brinke als 2. Turnwart.

Es kommt zur Gründung einer „Altherren-Riege“.

Ein Schülerbarren kann angeschafft werden.

Architekt Kappler, Hersbruck, legt einen Plan zum Umbau der Turnhalle vor; voraussichtlicher Kostenaufwand 40.000 bis 50.000 Goldmark. Die Durchführung scheitert an der Unmöglichkeit der Finanzierung.

Zum Kunigundenfest stellt der Verein, wie im Vorjahr, einen Festwagen, den Hans Kunze gestaltet.

Die Turnstunden sind in diesem Jahr sehr gut besucht, es herrscht reger Turn-und Spielbetrieb.

1925

Erstmals erscheint in der Vereinsgeschichte die Bezeichnung „Spielwart“.

Folgende Personen übernehmen die Ämter:

Spielwart
Josef Plötz
Ballspiel
Konrad Gerstacker
Schüler
Georg Schweikert
Schülerinnen
Heinrich Seibert
Kraftsport
Konrad Prottengeier
Schwimmen
Otto Siebenkees

Der Turngarten vor der Turnhalle wird planiert.

Der Kauf eines Tafelklaviers für die Turnhalle ist perfekt.

Als Mitgliedsbeitrag sind vierteljährlich 2.00 GM, als Aufnahmegebühr 3.00 GM zu entrichten

Am 7.12. verstirbt der ehemalige Vorstand Christof Döring.

1926

Hans Dreykorn wird Frauenturnwart, Emil Zimmermann übernimmt die Schwimmabteilung.

Das 50-jährige Jubiläum im kommenden Jahr wirft seine Schatten voraus. Man befasst sich mit ersten Plänen.

Der 2. Vorsitzende Arnold stellt ein Straßenverzeichnis der Mitglieder auf. Ziel ist, für die einzelnen Straßen Vertrauensleute zu bestimmen, die die Verbindung des Vereins zu den dort wohnenden Mitgliedern pflegen. Diese Maßnahme bewährt sich gut.

Zunächst soll als Festplatz für das 50-jährige Jubiläum der Platz des Sportklubs Lauf dienen. Man gibt diesen Plan aber wieder zu Gunsten des eigenen Platzes auf. Dieser soll eingezäunt werden. Die Aufstellung eines Bierzeltes ist vorgesehen. Im September wird vorgeschlagen, das 50-jährige Jubiläum des Pegnitz-Gaues zur gleichen Zeit zu feiern, also mit dem Vereins-Geburtstag zu koppeln. Eine „Sängerriege“ soll ins Leben gerufen werden. Ab 01.01.1927 ist eine Vereinszeitung geplant; ihr Titel: „Nachrichtenblatt des Turnvereins Lauf von 1877“. Der Turngarten wird fertiggestellt.

50 Mitglieder haben insgesamt 1.389 Arbeitsstunden geleistet.

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